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WARUM HOVAWART ?
WARUM HOVAWART ?

Die Geschichte erzählt, dass im 13. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Deutschlands für die Misshandlung eines Hovawarts eine Gefängnisstrafe verhängt wurde. Diese Anekdote sagt viel aus über die Beachtung, die diese Rasse seit jeher in ihrem Ursprungsland hatte. Seit dem 13. Jahrhundert war diese Rasse mehrmals vom Aussterben bedroht, wurde aber immer wieder aufrechterhalten und weitergezüchtet bis zur offiziellen Anerkennung durch die FCI im Jahre 1964.

Und in Italien? Im günstigsten Falle wird der Hovawart mit den verschiedensten Rassen verwechselt: ich wurde einmal sogar um Bestätigung gefragt, ob der Hund an meiner Leine ein langhaariger Doberman sei. Und dies war nicht einmal die merkwürdigste Frage. Zur Zeit der kurzen Lebensdauer der Gesetzesverordnung von Minister Sirchia, laut welcher der Hovawart in die Liste der gefährlichen Hunde verbannt wurde, musste ich miterleben, wie eine Bekannte von mir anlässlich eines gemeinsamen Spaziergangs mit unsern Vierbeinern zu einer saftigen Geldstrafe verbrummt wurde, weil sie ihren Rottweiler ohne Maulkorb ausführte, währenddem mir in lakonischer Weise erklärt wurde, dass ich unbestraft bleibe, „weil Mischlinge von dieser Gesetzesverordnung nicht betroffen wären.“
Der Hovawart ist unverleugbar ein schöner, aber ebenso unverleugbar ein unbekannter Hund in Italien. Dies ist der Grund, warum ich mit diesen Seiten versuchen möchte, dazu beizutragen, diese edle und wertvolle Rasse aus der Nische zu holen, in der sie sich bis heute hier in Italien befindet.
DIE GESCHICHTE

Diese deutsche Rasse hat einen sehr antiken Ursprung; die wahrscheinlichste Annahme ihrer Herkunft ist die Abstammung vom Tibetanischen Mastiff, der im Gefolge der asiatischen Nomadenvölker nach Europa gelangte. Die ersten Spuren des Hovawarts gehen bis aufs Mittelalter (13. Jh.) zurück, wo er als Wächter von Gehegen und Höfen beschrieben wird, was ja auch die Bedeutung seines Namens bezeugt. Sein Einsatz beschränkte sich allerdings nicht nur auf das Wachen, sondern aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit wurde er auch als Herdenhund und – vorwiegend gegen Wildschweine – als Jagdhund eingesetzt. Zeugnisse davon sind nicht nur in Gesetzen, sondern auch in literarischen Werken und Gemälden jener Epoche zu finden.
Trotz ihrer unbestrittenen Eigenschaften fiel die Rasse mehr und mehr in Vergessenheit und war am Anfang des letzten Jahrhunderts mit dem Aussterben bedroht. Es ist dem Kynologen K.F. Koenig, der kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs in unermüdlicher und hartnäckiger Zusammenarbeit mit leidenschaftlichen Gleichgesinnten zu verdanken, dass der Weg zur Wiedererhaltung dieser Rasse eingeschlagen wurde. Ausgehend von einigen wenigen noch existierenden typischen Rassevertretern und durch Einkreuzung von andern Rassen wie Neufundländer, Leonberger, Deutscher Schäferhund, denen der Hovawart im Laufe der Jahrhunderte mit grosser Wahrscheinlichkeit sein Blut vererbt hatte, gelangte man nach Jahren zum ersehnten Resultat, die Rasse Hovawart in ihrer Ursprünglichkeit erhalten zu haben. Die Bemühungen dieser Leute, im Hovawart das beste Erbgut der deutschen Gebrauchs- und Schutzhunde, Eigenschaften wie körperliche Stattlichkeit, Anpassungsfähigkeit, Führigkeit und einen bemerkenswert ausgeglichenen Charakter zu vereinen, erlaubten es, diese Rasse zu erhalten. Als diese Ziele nahe der Vollendung waren, bewirkte der Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs die Gefahr, die errungenen Resultate zu beeinträchtigen und nach Kriegsende musste erneut begonnen werden bis endlich im Jahre 1964 der Hovawart von der FCI anerkannt wurde als Rasse, wie wir sie heute kennen: ein wunderbarer Hund mit vielfachen Einsatzmöglichkeiten.

DER CHARAKTER

Der deutsche Rasseklub hat als verantwortlicher Verfasser des Standards von jeher Wert darauf gelegt, dass die Ausgeglichenheit des Charakters des Hovawarts an erster Stelle in den Selektionskriterien steht und denjenigen der morphologischen Eigenschaften vorangestellt wird. Wer einen Hovawart zum ersten Mal sieht, wird von seiner Verspieltheit, seiner Anhänglichkeit und seiner tiefen Bindung zu seinem Menschenführer / Menschenrudel beeindruckt sein und läuft die Gefahr zu vergessen, oder wird kaum glauben, dass er einen Gebrauchs- und Schutzhund vor sich hat. Für Unerfahrene erscheint der Hovawart auf den ersten Blick als grosser Gesellschaftshund, was er dank seiner strengen Zuchtkriterien auch ist: die beiden Seiten der gleichen Medaille. Ich liebe es, den Hovawart als vollständigen Hund zu definieren. Er ist vollkommen im Geben, aber ebenso vollständig im Fordern, und wenn er nicht erhält, was er fordert, handelt er auf eigene Initiative. Es ist ein grosser Irrtum zu glauben, der Hovawart sei ein gelassener und unterwürfiger Hund. Im Gegenteil, sein Charakter und seine Persönlichkeit können zu Schwierigkeiten führen, falls sie nicht richtig genutzt werden. Deshalb braucht der Hovawart eine intelligente und beständige Erziehung/Führung, damit er seine berühmte charakterliche Ausgeglichenheit zum Besten geben kann. Das Motto lautet: Beständigkeit, Ausdauer, Intelligenz, Kohärenz und stellt den Unterschied dar zwischen einem einzigartigen Lebensgefährten und einem Hund, der sich eigenmächtig zum Rudelführer erhebt weil ihm innerhalb seines Rudels ein Führer fehlt.

Der Hovawart neigt dazu, ein dominanter Hund zu sein; es ist deshalb unentbehrlich, ihm von klein an eine korrekte Erziehung zu gewähren, die es ihm trotz seiner im Welpenalter ausgeprägten Lebendigkeit und Unternehmungslust erlaubt zu verstehen, wer der Chef ist. Der Hund ist atavisch gewohnt in Rudeln zu leben und muss sich dem Rudelführer, seinem Besitzer, unterordnen. Er wird immer wieder versuchen, Ihre Führerrolle in Frage zu stellen und genauso konsequent müssen Sie ihm immer wieder mit Beständigkeit und Strenge Ihre Leadership bekräftigen.

Ich betone Beständigkeit und Strenge: nie dürfen Sie in Brutalität ausarten, denn der Hovawart ist ein ausgesprochen sensibler Hund, mit dem man nie auf der Ebene eines Kräftemessens kommunizieren darf/soll. Es wird genügen, ihn bei der Entfaltung seiner Eigenschaften einfühlsam zu führen. Der Hovawart ist ein intelligenter und schlauer Hund und weiss sich auch als solches zu zeigen. Er versteht leicht, was man von ihm verlangt. Ihn anzubrüllen würde höchstens erzeugen, dass er starrköpfig und verweigernd reagiert.

Seine Neugierde und sein ausgeprägtes Bedürfnis, in seine Menschenfamilie mit einbezogen zu sein, verleiten den Hovawart gerne, menschliche Gewohnheiten nachzuahmen: sieht er Sie auf dem Sofa, fühlt er sich angetan, zum Sofawart zu werden! Diesen menschlichen Verhaltensweisen sollten dem Wohl aller zugute unverzüglich Grenzen gesetzt werden.

Der Hovawart ist ein spät reifender Hund, der erst ungefähr im Alter von drei Jahren als erwachsen erklärt werden kann. Das bedeutet einerseits, dass die Erziehungsmomente vor allem zu Beginn der Schulung aufgrund seiner beschränkten Konzentrationsfähigkeit nie zu lang sein dürfen, andererseits erlaubt es uns, eine viel längere Zeitspanne nutzen zu können, um mögliche Fehler in der Erziehung auszuglätten. Vergessen wir aber nie, dass das richtige Alter zur Erkennung und Verstärkung unserer Führerposition in der Zeitspanne zwischen der 8. und 12. Lebenswoche liegt und im Alter von 5 Monaten beendet ist. Gerade deshalb ist es von grösster Wichtigkeit, dass die Sozialisierungsarbeit bereits beim Züchter beginnt.

Ein weitere bedeutende Eigenschaft/Laster des Hovawarts ist seine Neugierde. Seine absolute Vorliebe, immer und überall am Familiengeschehen teilzunehmen, lassen ihn öfters Dinge tun, die er eigentlich verabscheut. Er ist weder aufdringlich noch lästig, aber sollte er ausgeschlossen werden, würde seine Neugierde ihn zwingen, sich an den ungeahntesten Objekten zu rächen.

Der Hovawart liebt Kinder und zeigt ihnen gegenüber eine unendliche Geduld und einen unersetzlichen Schutzinstinkt.

Er ist ein ausgezeichneter Wächter von Haus und Gut, Familie inbegriffen, wofür er in jahrhundertelanger Selektion gezüchtet wurde. In dieser Eigenschaft bedarf er weder Schulung noch Erziehung. Er ist kein Kläffer, wirkt jedoch mit seiner kräftigen Stimme und seiner erhabenen Erscheinung als wirksames Abschreckmittel gegen Übelgesinnte, die er schon im frühen Alter ohne wenn und aber unfehlbar erkennt. Der Hovawart ist jedoch nie ein Angreifer, sondern ein entschlossener und energischer Verteidiger.

Seine sprichwörtliche Ausgeglichenheit gewährt dafür, dass er weder wahllos noch ohne Grund und nie brutal und blind angreift.
ALS WELPE
Der Hovawart ist eine welpenreiche Rasse, deren Würfe in der Regel mit 6-10 Welpen und einem Welpengewicht bei der Geburt von 350-650 Gramm ausfallen. Bei kleinen Würfen kann das Geburtsgewicht in Ausnahmefällen sogar bis 800 Gramm sein. Die Welpen haben ein schnelles und konstantes Wachstum und erreichen am Ende des zweiten Lebensmonats bereits ein Gewicht von 7-8 Kg, das in Ausnahmefällen auch bis 10 Kg ansteigen kann. Sobald sie die Augen geöffnet haben, entwickeln sie sich zu unermüdlichen Verzehrern von Empfindungen, Beobachtungen und Entdeckungen, und schon in dieser Phase zeichnen sich die mehr oder weniger dominanten Charakteren ab. Eine Eigenschaft, die vor allem Nichtkenner dieser Rasse beeindruckt, ist der erwachsene Ausdruck, der ein nur 20 Tage alter Welpe ausstrahlt. Trotz der Entdeckungslust der neuen Welt, die sie umgibt, erkennen die Welpen instinktiv den Rahmen und die Grenzen ihres Territoriums und gerade dieses Band, das sie mit ihrer Umgebung knüpfen, legt den Grundstein für ihr Zugehörigkeitsgefühl, welches sie nie zum Ausreisser machen wird.Die Welpen sind sehr ungestüm in ihren ersten Lebenswochen und muten sich physisch oft mehr zu als in ihren Möglichkeiten steht; wie bei allen grösseren Rassen ist es deshalb wichtig zu verhindern, dass sie sich Schaden zufügen, sei dies mit Sprüngen, Treppen oder zu ausgiebigem Freilauf. Immer wieder kommt es vor, dass ein Welpe eine für uns überraschende Leistung vollbringt und wir ihm diese fälschlicherweise zugestehen aus der Überzeugung, er würde sich nur zumuten, was ihm auch bekommt. Dies ist ein Irrtum: Ein Welpe, der stürzt, sich überkollert und unbesehener Dinge wieder aufsteht bedeutet keineswegs, dass er sicher ohne Schaden davonkommt. Es ist deshalb in den ersten Lebensmonaten immer angebracht, dass Welpen keine grossen Höhenunterschiede wie z.B. Treppen bewältigen müssen und man sie solche Situationen in unseren wohlbehütenden Armen überwinden lässt. Und zum Schluss: Vorsicht mit der Ernährung! Der Hovawartwelpe ist sehr gefrässig, also keine Extrarationen und ein besonderes Auge dafür, dass jeder seine eigene Portion verschlingt und nicht zum Futterdieb der Wurfgeschwister wird.

GESUNDHEIT

Ein kurzes Kapitel: der Hovawart ist ein ausgesprochen gesunder Hund, sowohl hinsichtlich der üblichen Hundekrankheiten als auch was genetische Mangelerscheinungen anbelangt. Die Rasse wurde seit jeher von ihrem Ursprungsland aus sorgfältig gezüchtet, weshalb – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – der Besuch beim Tierarzt sich lediglich auf die Routineimpfungen beschränken wird. Besondere Aufmerksamkeit sollte man in warmen Jahreszeiten lediglich Grannen und Ähren schenken, da diese sich aufgrund der dichten Behaarung leicht (vor allem zwischen den Zehen) einnisten und bis unter die Haut festsetzen können. Das dichte Haarkleid des Hovawarts schützt ihn vorzüglich sowohl gegen Wärme als auch Kälte, und im Winter liebt er es, sich auch bei niedrigen Temperaturen im Freien aufzuhalten.

Beim Hovawart sind keine rassetypischen Genpathologien bekannt, selbst die Hüftdisplasie ist sehr selten, vorausgesetzt, dass der Welpe aus einer seriösen Rassezucht entstammt. Es sei an dieser Stelle jedem zukünftigen Hovawartbesitzer nahegelegt, sich seinen Hovawartgefährten ausschliesslich in solchen Zuchtstätten auszusuchen.

EINSATZ

Hier gilt das Motto: die Qual der Wahl! Was immer Sie mit ihm unternehmen wollen, Ihr Hovawart wird Ihre Erwartungen nicht enttäuschen. Überall wo Hovawarte in den verschiedensten Disziplinen eingesetzt werden, finden wir sie ihn in den besten Rangplatzierungen. Mit seinem ausgeprägten Geruchssinnwird der Hovawart erfolgreich als Such- und Spürhund in den verschiedensten Situationen (Drogenhund, Lawinenhund, Katastrophenhilfe) eingesetzt.

Vor allem in seinem Ursprungsland, aber nicht nur dort, wird der Hovawart vermehrt als Polizeihund eingesetzt. Ebenso findet er seinen Gebrauchszweck als Blindenhund und Therapiehund. In nördlichen Ländern wird er sogar als Schlittenhund eingesetzt. Und zu guter letzt findet man ihn in allen sportlichen Disziplinen, wie Agility, Obedience, Mondioring und als Schutzhund.
In Italien, wo die Hovawartzucht erst seit kurzem Fuss gefasst hat, verzeichnet man bereits einige Vertreter, die als Rettungshunde im Wasser eingesetzt werden oder die SchH3 absolviert haben, sowie Hunde, die in der Ausbildung zum Rettungs- oder Katastrophund stehen oder sich in der Obedience betätigen.